„Ich bin ein positiver Mensch“ – SC Freiburg Spieler Christian Günter im Interview

Christian Günter ist Linksverteidiger beim SC Freiburg und seit der Saison 2012/2013 im Profikader des Vereins. Sein Debüt für die deutsche U21-Nationalmannschaft gab er 2014. freistuz hat den sympathischen 22-Jährigen zum Interview getroffen und mit ihm über seinen Alltag als Profifußballer, den Umgang mit Niederlagen und seine Ziele für die Rückrunde gesprochen.

freistuz: War es für dich immer schon klar, dass du Profi-Fußballer werden willst, oder hattest du auch andere Berufsziele vor Augen?

Günter: Klar, war der Traum Profifußballer zu werden schon immer da. Aber man weiß auch, dass es nicht alle schaffen können und nur wenige letztendlich das Glück haben, Profifußballer zu werden. Ich habe aber eine Ausbildung als Industriemechaniker abgeschlossen und wäre dann in die Richtung gegangen. Ich hätte mich dann noch weitergebildet, entweder als Meister oder mit einem Maschinenbaustudium.

freistuz: Wie sieht dein Alltag als Profi-Fußballer aus? Bleibt dir auch noch Freizeit für dich und wie verbringst du sie?

Günter: Also früher, als ich noch zur Schule gegangen bin und direkt im Anschluss ins Training musste, hatte ich weitaus weniger Freizeit. Wir haben es schon besser als Leute, die einen normalen Job haben und den ganzen Tag im Büro verbringen. Aber wenn wir zweimal am Tag trainieren, kommen wir auch insgesamt auf sieben bis acht Stunden, da man schon vor Trainingsbeginn hier ist und nach dem Training noch nachbereiten muss, sprich: Massagen, Sauna, Dehnen, oder Krafttraining. Da kommt man dann auch auf seine Zeit. Aber ich glaube wir dürfen uns nicht beschweren. Wenn ich dann frei habe, entspanne ich gerne. Ich gehe dann mal in die Stadt einen Kaffee trinken oder bummeln, treffe mich mit Freunden oder Familie oder gehe auch mit der Mannschaft essen oder bowlen. Eben das, was jeder gerne macht.

freistuz: Verfolgst du privat noch andere Sportarten neben dem Fußball?

Günter: Ich bin sehr sportbegeistert, ich schaue alles, was Wintersport angeht, da könnte ich den ganzen Samstag oder Sonntag vor dem Fernseher verbringen. Ich schaue mir auch sehr gerne die amerikanische NBA und NFL an und verfolge auch Spiele von anderen europäischen Fußballteams.

freistuz: Welcher Fußballspieler hat dich am meisten geprägt?

Günter: Für mich war schon in der Jugend Steven Gerrard mein Lieblingsspieler. Er hat einerseits das Spiel sehr an sich gerissen, aber andererseits auch eine totale Ruhe ausgestrahlt. Und was mir besonders sympathisch war, war das was neben dem Platz stattfand; seine Bodenständigkeit und seine Art Interviews zu geben. Und es ist auch nicht üblich 16 Jahre für den gleichen Verein (FC Liverpool, Anm. d. Redaktion) zu spielen und dort so eine Legende zu sein. Das hat mich sehr beeindruckt.

freistuz: Als Fußballprofi muss man recht früh erwachsen werden, man hat viel Verantwortung, steht in der Öffentlichkeit und hat eine Vorbildfunktion inne – wie nimmst du diese wahr?

Günter: Man muss schon ein Stück weit aufpassen, was man in der Öffentlichkeit sagt und macht. Es hat aber auch etwas Schönes, wenn man auf der Straße erkannt wird und Fans Bilder mit mir machen wollen. Oder die vielen Jungs und Mädels aus meinem Heimatdorf Tennenbronn, die Fußball spielen und mein Trikot tragen. Es gibt aber auch Schattenseiten: man kann nicht immer so sein wie man ist, sei es bei einer Party oder auch so. Als junger Mensch hat man ja auch mal Flausen im Kopf, die man nicht so ausleben kann, wie man es sonst vielleicht würde. Ich denke aber jeder Beruf hat seine Vor- und Nachteile.

freistuz: Wie schätzt du den Verlauf der aktuellen Saison ein?

Günter: Anfangs haben wenige damit gerechnet, dass wir so einschlagen können. Es sind viele gegangen, viele neu dazugekommen. Es ist nicht selbstverständlich, dass man dann als Team direkt funktioniert. Die Mannschaft, die jetzt zusammengekommen ist und das Trainerteam haben bisher gute Arbeit geleistet. Wir stehen sehr gut da, aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Denn wenn bei einigen oder allen in der Mannschaft der Gedanke aufkommt, dass wir es schon geschafft haben und nicht mehr viel tun müssen, bekommen wir schnell die Quittung dafür. Aber das wissen wir und wir geben alles und dann hoffe ich, dass wir alles bestätigen können, was wir bisher in der Vorrunde gezeigt haben.

freistuz: Als der SC Freiburg 2015 abgestiegen ist, war das für alle Fans und Spieler ein herber Rückschlag – wie gehst du beruflich und privat mit Rückschlägen um, wie kann man Rückschläge am besten verarbeiten?

Günter: Beim Abstieg war es zum ersten Mal in meiner Karriere richtig hart. Nicht nur für mich, sondern im Allgemeinen die Lage des Vereins. Als ich noch in der Jugend war, lief es immer gut beim SC: 2013 die Europa-League, danach der Klassenerhalt, aber 2015 dann leider der Abstieg, das war extrem hart für alle. Ich musste diesen Sommer dann direkt zur U21 und hatte keine Zeit zu realisieren, was da gerade passiert ist. Im Nachhinein war es aber schon ein brutaler Rückschlag. Aber ich bin von Grund auf ein positiver Mensch und glaube, ich kann mit Rückschlägen relativ gut umgehen. Ich brauche natürlich auch meine Zeit und Ablenkung. Da tun mir meine Familie und meine Freunde sehr gut. Ich glaub es ist für die anderen und mich auch wichtig, dass man abschalten kann. So kann man Niederlagen am besten verkraften und positive Energie herausziehen. In der Vorrunde ist niemand mit gesenktem Kopf aufgelaufen. Es gibt neue Ziele und das eröffnet auch wieder neue Wege.

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freistuz: Der SC Freiburg gilt als Sprungbrett für junge Spieler, wo siehst du dich beruflich in näherer Zukunft?

Günter: Fußball ist schnelllebig, man kann schwer sagen, wo man in fünf Jahren ist. Man kann sich verletzen, es können im Verein Dinge passieren. Es kann sein, dass der Verein dich nicht mehr braucht oder aber dass man ein großes Angebot bekommt. Fakt ist, ich fühle mich beim Sportclub sehr wohl, deshalb habe ich auch vor einem Jahr meinen Vertrag verlängert. Was in Zukunft kommt, wird man sehen. Ich stecke mir lieber Ziele für das nächste halbe Jahr. Mein nächstes Ziel ist es, erst mal aufzusteigen und nächstes Jahr wieder Bundesliga zu spielen. Freiburg ist meine Heimat und ich kann mir gut vorstellen, länger hier zu bleiben.

freistuz: Die Position des Linksverteidigers ist in der Nationalmannschaft zurzeit sehr vakant. Würde es dich reizen, irgendwann ein Kandidat für die Nationalelf zu sein?

Günter: In der Nationalelf zu spielen wünscht sich jeder Spieler. Ich hatte einmal schon das Glück, eingeladen worden zu sein. Es ist aber nicht so, dass ich sage, ich muss jetzt unbedingt dahin. Das kann man auch nur dahingehend beeinflussen, dass man alles gibt und versucht bestmöglich zu spielen und dann kommen auch solche Erfolge wieder, dass der Bundestrainer anruft. Das kommt alles mit der Leistung, die man bringt und auf die möchte ich mich im Hier und Jetzt konzentrieren.

freistuz: Christian Streich hat nicht nur für SC Fans sondern in ganz Südbaden eine Art Heldenstatus. Er ist seit Jahrzehnten dem Verein treu geblieben und macht immer wieder Schlagzeilen, wenn er sich zum aktuellen Geschehen äußert. Wie ist es unter Streich zu trainieren? Ist er eine Vater-Figur für dich und die anderen jungen Spieler?

Günter: Ich kenne ihn ja jetzt schon ziemlich lange, noch aus der A-Jugend Zeit. Man kann zum Herrn Streich mit allem kommen, was man hat, ob es privat oder sportlich ist. Er lebt Fußball, er hat einfach Ahnung von diesem Sport, hat eine taktische Vorstellung und weiß wie die Einstellung einer Mannschaft sein sollte. Ich glaube es sagt schon alles, dass er mit den neuen Spielern und auch den jungen Spielern umgehen und immer wieder gute Teams aus ihnen formen kann. Auch neben dem Platz, Streich kann einfach sehr gut mit Menschen umgehen. Das hilft der Mannschaft und kann sie auch mitreißen.

freistuz: Bisher haben sehr viele Spieler, ebenso wie du, den Grundstein für ihre Profi-Karriere in der Freiburger Fußballschule gelegt. Wie siehst du aktuell die Chancen für Jonas Busam und Constantin Frommann, die ihren Vertrag vor kurzem verlängert haben, in den Profikader aufzurücken? Siehst du dir ab und zu Spiele der Fußballschüler an?

Günter: Je nachdem wie viel Zeit ich habe, sehe ich mir die Spiele gerne mal an. Die Chancen sind bei jedem vorhanden. Es sind zwei talentierte Jungs, aber es gibt viele Faktoren, die da mitspielen. Wenn sie so weiter machen und ihre Leistung abrufen wie bisher, ist es gut möglich, dass sie mal bei uns landen. Aber wie gesagt, im Fußball kann immer viel passieren.

freistuz: Und zum Abschluss: Aufstieg 2016 – Ja oder Nein?

Günter: Ja, wir werden alles dafür tun und werden sehen, was dabei raus kommt.

Das Interview wurde geführt von Philipp Findling und Alexandra Mieth
Fotos von Lynn Sigel

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